Umgang mit "negativen" Gefühlen

Ob wir ein Gefühl als positiv oder negativ empfinden, hängt von unserer Bewertung ab bzw. von unseren Erfahrungen, wie wir in anderen, ähnlichen Situationen empfunden haben.

Sogenannte „negative“ Emotionen wie Angst, Wut, Neid oder Traurigkeit sind eigentlich ganz normal. Sie gehören zu der normalen Bandbreite an Emotionen, die ein Mensch durchlebt. Wenn wir jedoch zum Beispiel jedes Mal, wenn wir wütend sind, als „böse“ abgestempelt werden und dann vielleicht noch zu hören bekommen: „Du bist immer so zornig, schau nur, dein Bruder ist so lieb.“ Dann glauben wir, dass etwas falsch daran ist, wütend zu sein. Dann beginnen wir, die Wut zu unterdrücken. Davon geht sie aber nicht weg. Vielleicht bekommen wir Bauchschmerzen, weil uns buchstäblich eine Laus über die Leber gelaufen ist oder Bluthochdruck, weil wir ständig unter Druck stehen.

Wir flüchten so lange vor unangenehmen Gefühl, bis wir keine Wahl mehr haben
Unangenehme Gefühl konstruktiv auszudrücken macht Dich frei (Foto: Ryan mcGuire auf Pixabay)

Du kannst Dir das vorstellen wie einen Dampfkochtopf, bei dem irgendwann der Deckel wegfliegt, weil der Druck zu groß wird. Dann wird aus der Wut unkontrollierbare Aggression.


Unangenehme Gefühle lassen sich auf Dauer nicht wegdrücken

Ähnlich verläuft es mit anderen „negativen“ Emotionen, die unterdrückt statt ausgedrückt werden. Unterdrückte Traurigkeit kann zu Depression führen. Angst entsteht in der Regel, wenn wir uns nicht sicher fühlen oder uns mit einer Situation überfordert fühlen und Zweifel haben, ob wir sie bewältigen können. Wer ständig in Angst lebt ist schreckhaft, ein Nervenbündel und kann keine klaren Entscheidungen treffen.

 

Angst, Wut, Trauer, Neid und Traurigkeit sind valide Emotionen, die sich zugegebenermaßen nicht gut anfühlen, wenn man mittendrin steckt. Ich kann Dir allerdings aus eigener Erfahrung sagen, dass sie nicht von selbst weggehen, wenn sie nicht durchlebt werden. Sicher hast Du es auch schon erlebt, dass Du Emotionen weggedrückt hast, weil sie Dir gerade ungelegen kamen und Du Dich nicht schwach, ängstlich oder mies gelaunt fühlen wolltest. In der Regel kommen diese Emotionen dann aber prompt wieder um die Ecke, wenn Du es noch weniger gebrauchen kannst. Ich bin überzeugt, dass wir oft unangenehme Emotionen ablehnen, weil wir Angst haben, dass etwas „Schlimmes“ passiert, wenn wir sie zulassen. Zum Beispiel, dass wir nicht mehr geliebt werden, wenn wir wütend werden oder zugeben, dass wir neidisch sind. Aber das Gegenteil ist der Fall. Wenn wir sie zulassen, werden wir frei. Wie das? Wir lernen, dass die „negative“ Emotion nicht das Ende ist, sondern der Durchgang zu etwas Neuem. Außerdem will Dir jede dieser Emotionen etwas sagen. Wenn Du die Botschaft entschlüsselst, bringt sie Dich einen guten Schritt weiter.

Nachfolgend möchte ich Dir ein paar Vorschläge mit auf den Weg geben, wie Du mit unangenehmen Emotionen umgehen kannst, um sie adäquat auszudrücken:

Gib Deinem Gefühl eine Farbe - Male es

Male Deine Angst und gib ihr eine Farbe.
Was passiert, wenn Du Deiner Angst eine Farbe gibst? (Foto: Alexandra Haynak auf Pixabay)

Gib Deiner Emotion eine Farbe. Sagen wir Du hast Angst. Schließe Deine Augen und lass die Angst zu, soweit es Dir möglich ist. Welche Farbe hat sie? Hat sie eine bestimmte Form? Ist diese Form statisch oder verändert sie sich? Nun nimm Dir ein paar Farben (entweder Acryl- oder Wasserfarben oder auch Buntstifte) und male diese Angst.


Vielleicht findest Du auch eine Anti-Farbe zu der Angst, eine, die Dir hilft diese Angst zu überwinden? Mit welchem Gefühl verbindest Du diese Anti-Farbe? Lass auch sie in Dein Bild einfließen. Male so lange weiter, bis es sich stimmig anfühlt.


Wie geht es Dir jetzt?


Gib Deinem Gefühl eine Stimme

Was passiert, wenn Du Deiner Angst Fragen stellst? Welche Antworten kommen?
Frage Deine Angst, was sie Dir sagen will. (Foto: Tumisu auf Pixabay)

Sprich das Gefühl aus oder finde einen Ton oder Laut, der es ausdrückt. Geh in einen Dialog mit Deinem Gefühl. Nehmen wir wieder die Angst. Frage sie: Angst, was willst Du mir sagen? Nimm ein Blatt und einen Stift und schreib das auf, was kommt. Schreib so spontan wie möglich, ohne es zu zensieren. Es kann gut sein, dass sich gleich der Verstand einschaltet und Dir erzählt, dass das völliger Blödsinn ist. Schreib einfach so lange weiter, bis nichts mehr kommt.


Dann finde einen Gegenpol zu der Angst. Zum Beispiel Mut. Was für einen Ratschlag hat der Mut für die Angst. Schreibe Dir auch hierzu spontan auf, was Dir einfällt.


Wie geht es Dir jetzt?


Finde einen körperlichen Ausdruck für Dein Gefühl

Embodiment hilft Dir, eine positive Haltung zu finden, die Dich unterstützt
Finde eine körperliche Haltung, die Dich stark macht (Foto: Jill Wellington auf Pixabay)

Finde eine körperliche Haltung oder Bewegung, die Deine Emotion ausdrückt. Nehmen wir wieder die Angst. Vielleicht möchtest Du Dich gerade einfach einigeln und zusammenrollen wie ein Fötus. Dann gehe in diese Haltung und atme eine Weile. Lasse die Angst zu soweit es Dir möglich ist.


Nun finde eine Haltung oder Bewegung, die einen Gegenpol zur Angst (z. B. Mut) ausdrückt. Sagen wir, Du möchtest Dich zum Beispiel aufrecht hinstellen und Deine Hände auf den Bauch legen. Dann nimm diese Haltung ein und atme. Spüre, welchen Unterschied es macht. Immer wenn sich die Angst wieder meldet, gehe in die „Mut-Haltung“ und atme.


Wie geht es Dir jetzt?


Schau einfach mal, ob eine dieser Methoden zu Dir passt und probiere sie aus. Lass mich gerne wissen, wie es Dir damit ergangen ist.

Herzlichst, Christine

 

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