Glück ist mehr als nur Glückssache

Glaubst Du, dass Du Dein Wohlbefinden und damit verbundene Glücksgefühle aktiv beeinflussen kannst? Oder bist Du davon überzeugt, dass Glück und Pech Dinge sind, die uns einfach widerfahren, ohne dass wir sie steuern können?


In der Positiven Psychologie gibt es verschiedene Modelle, die Möglichkeiten aufzeigen, wie wir unser Wohlbefinden aktiv steigern können. Eines davon möchte ich Dir heute vorstellen und Dich gleichzeitig einladen, es für Dich auszuprobieren.

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Das PERMA-Modell in der praktischen Anwendung

Prof. Martin Seligman, einer der Pioniere der Positiven Psychologie, begann in den 90er Jahren intensiv zu dem Thema Wohlbefinden zu forschen. Bis dahin verstand die Psychologie ihre Aufgabe in erster Linie darin, Menschen darin zu unterstützen, dass sie sich nicht schlecht fühlten. Wer sich nicht schlecht fühlt, fühlt sich aber deshalb noch lange nicht gut. Deshalb hat Seligman sich intensiv mit den Faktoren beschäftigt, die zu unserem Wohlbefinden beitragen und so das PERMA Modell entwickelt. Bei seiner Forschungsarbeit stellte er fest, dass fünf Faktoren die Grundlage für unser Wohlbefinden bilden: Positive Emotionen, Engagement (in einer Tätigkeit aufgehen), Relationships (Beziehungen), Meaning (Sinn) und Accomplishment (Erfolg). Nachfolgend zeige ich Dir, wie Du diese Faktoren nutzen kannst, um Deine eigene „Glücksstrategie“ zu entwickeln.


P = Positive Emotions (Positive Emotionen)

Glückliche Menschen schauen zufrieden auf die Vergangenheit, optimistisch in die Zukunft und sie genießen und wertschätzen den jetzigen Moment. Positive Emotionen verursachen positive Gedanken und stoßen damit einen positiven Kreislauf an. Positive Basisemotionen wie Liebe, Freude, Dankbarkeit, Hoffnung, Stolz, Inspiration oder Ehrfurcht helfen uns, Aufgaben besser zu bewältigen, in Frieden mit dem zu sein, was vielleicht in der Vergangenheit nicht so gut gelaufen ist und Stress zu reduzieren.


„Schön und gut“, denkst Du jetzt vielleicht. „Aber ich fühle nichts von alldem.“ Der erste Schritt ist, zu erkennen, was wir gerade fühlen und ob es hilfreich ist oder nicht. Es gibt keine „guten“ oder „schlechten“ Emotionen. Das sind nur unsere Bewertungen. Auch Trauer und Wut haben ihre Daseinsberechtigung und können an mancher Stelle hilfreich sein, um Situationen oder Erfahrungen zu verarbeiten. Wenn wir eine Wut im Bauch haben, muss sie raus. Das ist auf jeden Fall gesünder, als sie gegen sich selbst zu richten. Aber wenn Du mit Wut handelst, erzielst Du andere Ergebnisse, als wenn Du mit Freude handelst.

 

In diesem Fall wäre es hilfreicher, die Wut adäquat auszudrücken und erst ins Tun zu gehen, wenn Du wieder mit Freude oder Wohlwollen handeln kannst. Wenn Du hingegen in einem Wutkreislauf hängen bleibst, entsteht mehr Wut und keine Freude.

Positive Emotionen erzeugen positive Gedanken.
Positive Emotionen sind ein Motor für Dein Wohlbefinden

Es geht darum, dass Du für Dich ein Fenster findest, um aus der Negativspirale auszusteigen. Vielleicht hast Du bisher gar nicht auf Deine Emotionen geachtet und nun wird Dir bewusst, dass da nur wenige positive Emotionen sind.

 

Jetzt hast Du die Möglichkeit, dies zu ändern. Ja, Du hast richtig gelesen: Du selbst kannst entscheiden, was Du fühlen möchtest. In dem Moment, in dem wir uns unserer Emotionen bewusst werden, können wir sie auch bewusst verändern, indem wir den Fokus verlagern und eine neue Entscheidung treffen. Wenn Du eine lange Zeit in negativen Gedankenspiralen verbracht hast, braucht es vielleicht etwas Übung. Also gib nicht gleich auf. Nachfolgend findest Du eine Übung, die Dir helfen kann, an einen Wendepunkt zu kommen.


Übung: 3 gute Dinge

Schreibe jeden Abend, bevor Du zu Bett gehst, drei Dinge auf, für die Du dankbar bist. Das können Kleinigkeiten sein wie ein traumhafter Sonnenaufgang, der Anruf einer lieben Freundin oder der nette Nachbar, der Dir die Sprudelkiste aus dem Auto geholt und zur Haustür getragen hat. Ich bin überzeugt davon, dass es in Deinem Leben jeden Tag drei Dinge gibt, für die Du dankbar sein kannst. Verpflichte Dich selbst dazu, dies eine Woche lang durchzuhalten. Das heißt sieben Mal drei Dinge aufschreiben. Also keine große Sache. Dann schau, wie Du Dich nach einer Woche fühlst. Dankbarkeit kreiert mehr Dankbarkeit und eine positive Emotion zieht weitere nach sich.

Dankbarkeit generiert Freude und Glück
Führe ein Dankbarkeitstagebuch

Nicht nur das: Positive Emotionen ziehen positive Gedanken und Erwartungen nach sich und heben so Dein Energieniveau an. Energie folgt der Aufmerk-samkeit. So einfach ist es.


E = Engagement (Aktivität, Selbstwirksamkeit, Flow)

Wenn wir in einer Tätigkeit aufgehen, vergessen wir die Zeit. Das bedeutet zwei Dinge: Zum einen kommen wir im Hier und Jetzt an. Wir hören auf, darüber nachzudenken, was wir gestern hätten besser machen können oder was wir dringend erledigen müssen, bevor wir endlich das tun können, was uns wirklich interessiert. Wenn Du etwas tust, das Du gerne tust, kommst Du in den sogenannten Flow-Zustand. Ich erlebe das zum Beispiel beim Malen. Vielleicht ist es bei Dir die Gartenarbeit, Joggen, Tanzen oder mit den Enkelkindern spielen. Außerdem kommen unsere Stärken zum Einsatz, wenn wir Dinge tun, die uns interessieren. Dadurch haben wir Erfolgserlebnisse, was wiederum unsere Selbstwirksamkeitserwartung erhöht.

Aktivitäten, die Dich erfüllen, bringen Dich in den Flow
Der Flow bringt Dich ins Hier und Jetzt

Selbstwirksamkeit bedeutet: Wir sind davon überzeugt, dass wir eine Aufgabe aus eigener Kraft mit den Ressourcen, die uns gerade zur Verfügung stehen, bewältigen können. Glückliche Menschen haben eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung und erreichen dadurch mehr als Menschen, die ständig ihre Fähigkeiten in Frage stellen.


Übung: Finde eine Aktivität, die Dich erfüllt

Mache Dir ein paar Gedanken (vielleicht auch ein paar Notizen), womit Du Dich den ganzen Tag lang beschäftigst. Im nächsten Schritt, schreibe Dir eine Liste von Aktivitäten, die Dir Spaß machen oder mit denen Du schon den Flow-Zustand erlebt hast. Dann finde Wege, um diese Tätigkeiten in Deinen Tag bzw. Deine Woche einzubauen. Je öfter Dir dies gelingt, desto glücklicher wird es Dich machen. So schaffst Du Dir selbst Highlights, auf die Du Dich freuen kannst, und hast Erfolgserlebnisse. Das wiederum steigert Deine Selbstwirksamkeitserwartung und führt zu mehr positiven Emotionen. Fange mit einer kleinen Sache an, bei der Du Dir sicher sein kannst, dass Du am Ball bleibst. Damit hast Du Dein erstes Erfolgserlebnis, das Dich motiviert, weiterzumachen.

R = Relationships (wertvolle Beziehungen)

Wir Menschen sind Herdentiere. Daran gibt es nichts zu rütteln. Wir alle suchen Gleichgesinnte, mit denen wir uns austauschen und Zeit verbringen können. Gute Gesellschaft ist ansteckend im allerbesten Sinne. Das weiß sogar unser schlauer Körper. Die erhöhte Ausschüttung des Hormons Oxytocin, das oft auch als Bindungshormon bezeichnet wird, ist Teil der Stressreaktion und motiviert uns, bei anderen Unter-stützung zu suchen, wenn wir unter Druck stehen.

Pflege Dein Netzwerk
Dein Netzwerk fängt Dich auf, wenn es Dir nicht so gut geht

Das können Familienmitglieder, Nachbarn, Freunde oder Arbeitskollegen sein. Deshalb ist es wichtig, dass wir unser Netzwerk pflegen.


Übung: Dein soziales Netzwerk

Mach Dir bewusst, mit wem Du Deine Zeit verbringst. Fertige Dir eine Zeichnung von Deinem sozialen Netzwerk an. Wer gehört dazu? Mit wem fühlst Du Dich gut? In welchen Beziehungen ist Geben und Nehmen im Gleichgewicht? Wer zieht Dir Energie ab?

 

So kannst Du auf sehr plausible Weise für Dich feststellen, wessen Gesellschaft Dir guttut und mit wem Du gerne mehr oder auch weniger Zeit verbringen möchtest.


M = Meaning (Sinn, Werte, Bedeutsamkeit)

Wir blühen auf, wenn wir zu etwas beitragen, das uns bedeutsam erscheint und wo wir unsere Werte ausleben können. Das kann ein kreatives Ziel sein, ein Dienst an der Gemeinschaft, aber auch ehrenamtliches Engagement oder ein Projekt, das uns fordert, bei dem wir über uns hinauswachsen und mal so richtig zeigen können, was wir drauf haben.


Wenn Du eine Tätigkeit verrichten sollst, die Dir sinnlos erscheint oder bei der Du gegen Deine Werte handeln musst, widerstrebt Dir das vermutlich. Viele Menschen, die mit ihrer beruflichen Situation unzufrieden sind, sind es genau aus diesem Grund. Das bedeutet nicht, dass Du gleich alles hinwerfen sollst. Beginne damit, den Fokus zu verändern. Wenn Dir die Sinnhaftigkeit im Beruf fehlt, bringe Dich in einer Gemeinschaft, einem Verein oder der Familie ein.

Sinnlosigkeit schafft Boreout
Eine Tätigkeit macht uns Freude, wenn sie uns sinnvoll erscheint.

Vielleicht bietet sich auch innerhalb der Arbeit ein Projekt an, in dem Du verstärkt Deine Werte ausleben kannst. Rufe etwas ins Leben, das Dir wichtig ist. Einen Betriebsrat zum Beispiel oder Du bietest für Deine Kollegen Tipps für ein gesundes Mittagessen an. Sei kreativ.


Übung: Was sind Deine zehn wichtigsten Werte?

Schreibe auf, was Deine zehn wichtigsten Werte sind. Mache Dir Notizen, welche Deiner Werte Du bereits lebst und welche Deiner Meinung nach momentan zu kurz kommen. Dann überlege Dir ein Projekt, das Du durchführen oder an dem Du Dich beteiligen möchtest, bei dem Du mehrere Deiner Werte einbringen kannst. Vielleicht gehören Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft zu Deinen Werten. Dann könntest Du zum Beispiel an einer Clean-Up Aktion teilnehmen und so vielleicht noch Gleichgesinnte kennenlernen, die dieselben Ideale haben wie Du.


A = Accomplishment (Erfolg, Zielerreichung, Erfolgserlebnis)

Wenn wir auf ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt zurückblicken, stellt sich ein Gefühl der Zufriedenheit ein. Das kann eine gute Note für eine Projektarbeit sein, ein sportliches Ziel, das Du Dir gesetzt hattest oder eine knifflige Situation, die Du gut gemeistert hast. Wichtig ist es, sich diese Dinge vor Augen zu führen und sich dafür anzuerkennen. Das vergessen wir gerne mal, weil wir oft schon das nächste Ziel vor Augen haben. Auch Dein Leben ist in gewisser Weise ein „Projekt“, das es zu meistern gilt.

 

In unserem Kulturkreis ist Eigenlob leider immer noch negativ behaftet. Vielleicht kennst Du den Spruch „Eigenlob stinkt“ aus Deiner Kindheit. Im Grunde ist ein Lob einfach ein Lob, egal wer der Empfänger davon ist.

Erkenne Dich selbst an für das, was Du geschafft hast
Ein Ziel erreicht zu haben macht glücklich

Warum sollte ein Lob an andere in Ordnung sein, an Dich selbst aber nicht? Deshalb sage ich: „Eigenlob stimmt.“ Also vergiss nicht, Dich immer wieder zu loben für Deine Erfolge und die Ziele, die Du erreicht hast. Besonders wichtig ist das, wenn Du etwas gut gemacht hast, Dich aber niemand dafür anerkennt. Dann tue es selbst!


Übung: Meine bisherigen Erfolge und mein nächstes Ziel

Blicke auf Dein bisheriges Leben zurück und finde drei Erfolge. Das können erfolgreich abgeschlossene Projekte sein (Schulabschluss, Studium, bestandene Führerscheinprüfung, Buchveröffentlichung etc.) oder auch Dinge wie die Erziehung Deiner Kinder oder die Gestaltung Deines Gartens. Ich bin mir sicher, Du wirst mindestens drei Dinge finden. Beschreibe die Erfolge: Was hast Du gut gemacht? Wie hast Du Dich danach gefühlt? Was macht Dich daran zufrieden?


Dann setze Dir ein neues Ziel. Was willst Du erreichen und woran wirst Du merken, dass Du Dein Ziel erreicht hast? Falls es ein größeres Ziel ist, lege Meilensteine fest, so dass Du Teilerfolge verzeichnen kannst, die Dich motivieren, weiterzumachen.

 

Du siehst also: Glück ist nicht nur Glückssache. Du selbst kannst eine ganze Menge dazu beitragen. Du musst es nur tun. Beginne heute damit, Deine eigene Glücksstrategie zu entwickeln.


Wenn Du gerne mal den Flow erleben möchtest, dann mach mit bei unserem Workshop Qigong und intuitives Malen. Mehr dazu findest Du hier.


Du möchtest an Deiner Glücksstrategie arbeiten, hast aber Startschwierigkeiten? Dann kann Dir eine Einzelbegleitung helfen. Nimm gerne Kontakt auf.


Workshops und Coaching

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